24.11.2018
Fortuna liga (16. Spieltag)
Stadion Ďolíček, Prag (CZE)
Zuschauer: 3.771

Am Abend ging es dann end­lich wie­der zum Fuß­ball. Dazu ging es von der Alt­stadt aus mit der Stra­ßen­bahn in den Prager Stadt­teil Vršovice. Vršovice ist die Hei­mat der bei­den Erst­li­gis­ten Slavia und Bohemians Prag, deren Sta­dien nur etwas über einen Ki­lo­me­ter von­ei­nan­der ent­fernt lie­gen. Die Heim­spiel­stätte von Slavia Prag konn­te ich glück­li­cher­weise schon vor ei­ni­gen Jahren im Derby gegen Sparta kreu­zen, so­dass heu­te das Heim­spiel von Bohemians Prag an­ge­gan­gen wur­de. Der Ver­ein wur­de 1905 als AFK Vršovice ge­grün­det und 1927 im An­schluss an eine Mann­schafts­tour nach Aus­tra­lien in AFK Bohemians um­be­nannt. In den Fol­ge­jah­ren spiel­te Bohemians immer erst- oder zweit­klas­sig, konn­te ein­mal die tsche­cho­slo­wa­ki­sche Meis­ter­schaft ge­win­nen und be­stritt zu­dem et­li­che Spiele im Euro­pa­po­kal. Fi­nan­zi­elle Schwie­rig­kei­ten und die damit ver­bun­dene In­sol­venz hat­ten 2005 al­ler­dings ein erst­ma­li­ges ab­rut­schen in die Dritt­klas­sig­keit so­wie einen Na­mens­streit mit dem FC Střížkov Praha 9 um den Tra­di­tions­na­men „Bohemians“ zur Folge. Den­noch konn­te sich der Ver­ein, vor allem durch Spen­den aus der ei­ge­nen Bohemians-Fan­ini­tia­tive, re­ha­bi­li­tie­ren und bis ins tsche­chi­sche Fuß­ball-Ober­haus zu­rück­kämp­fen.
So traf man im heu­ti­gen Abend­spiel auf den 1. FK Příbram. Für 230 Kč be­sorg­te ich mir ein Ti­cket für die Haupt­tri­büne und begab mich ins In­ne­re des Sta­dions. Neben der gro­ßen, über­dach­ten Haupt­tri­büne ver­fügt die­ses sonst nur über eine un­über­dachte Hin­ter­tor­tri­büne sowie ein paar Sitz­rei­hen auf der Ge­gen­ge­ra­de. Auf­grund der an die Ge­gen­ge­ra­de an­gren­zen­den Häu­ser­rei­hen strahlt vom Sta­dion Ďolíček aber den­noch ein ge­wis­ses Flair aus. Wäh­rend sich auf der Ge­gen­ge­ra­de nur 15 eher un­auf­fäl­lige Gäs­te­fans ein­fan­den, konn­te der Heim­block so­wohl mit op­ti­scher als auch akus­ti­scher Un­ter­stüt­zung die­nen. Zu Be­ginn der Par­tie zeig­te die Fan­szene von Bohemians dem­nach eine Cho­reo­gra­phie, bei der ein Ban­ner mit der Auf­schrift „East or West – Home is best“ hoch­ge­zo­gen wur­de. Auf dem Spiel­feld konn­te man zu­nächst ein ähn­li­ches Bild be­ob­ach­ten, so­dass die Haus­her­ren mit einer ver­dien­ten 1:0-Füh­rung in die Pause gin­gen. In der zwei­ten Halb­zeit kamen die Gäste aus Příbram dann bes­ser ins Spiel. Diese dreh­ten den Spieß kur­zer­hand um und tra­fen kurz vor Schluss zum ver­meint­li­chen Sieg­tref­fer. Folg­lich hör­te man erst­mals was von den Gäs­te­fans, wel­che teil­weise sogar wäh­rend des Tor­ju­bels blank­zo­gen. Die Heim­elf dach­te al­ler­dings noch nicht dar­an zu re­sig­nie­ren und warf noch­mal alles nach vor­ne. So traf Bohemians in der Nach­spiel­zeit zum end­gül­ti­gen 2:2-End­stand und mach­te den bereits fei­ern­den Gäs­ten noch einen Strich durch die Rech­nung.
Nach Ab­pfiff des Spiels mach­te ich mich erneut auf den Weg zu mei­ner Un­ter­kunft. Da ich aus den Um­stän­den des Vor­tags ge­lernt hat­te, nahm ich dies­mal den Bus, um das Hos­tel in Strahov zu er­rei­chen.